Historie

Aufbruchzeit und Aufbaujahre - iF in den 50ern

Als 1953 die Türen zur ersten "Sonderschau formgerechter Industrieerzeugnisse" im Haus 8 auf dem Messegelände in Hannover geöffnet wurden, markierte dies den Beginn einer nun über 50 Jahre währenden Erfolgsgeschichte. Diese ist bis heute durch ihre weltweit einzigartige Verzahnung von Messe- und Designgeschichte geprägt.
Aufbruch fand zu jener Zeit des boomenden ökonomischen Wachstums nicht nur in der Wirtschaft und im Messewesen statt, sondern auch bei denen, die sich in der jungen BRD um zeitgemäße Formgestaltung bemühten. 1951 war auf Bundestagsbeschluss der Rat für Formgebung ins Leben gerufen worden, der 1953 in Darmstadt seine Arbeit aufnahm. Bereits 1952 waren das Institut für Neue Technische Form in Darmstadt entstanden sowie in Hannover die Zentralstelle zur Förderung deutscher Wertarbeit e.V., die fortan als Träger der jährlichen Sonderschauen auf der Hannover Messe fungierte. Unter den Initiatoren der Sonderausstellung fanden sich bekannte Persönlichkeiten aus Kultur und Wirtschaft: darunter der Ingenieur Karl Otto, Direktor der Werkkunstschule Hannover, der Leiter des Instituts für Neue Technische Form Gotthold Schneider, Dr. Günther Freiherr von Pechmann, Leiter des Arbeitskreises für industrielle Formgebung im BDI, die Industriellen Günter Fuchs, Direktor Summa-Feuerungen und Dr. Carl Hundhausen, Direktor Krupp-Widiafabrik sowie Messevorstand Prof. Dr. Eugen Mössner.

Von Begin an ein Publikumsmagnet - die Sonderschauen formgerechter Industrieerzeugnisse

Die Sonderschauen, schon damals ein Schaufenster besonders gelungener Formgebung für die an der Messe teilnehmenden Branchen, erfreuten sich eines regen Besucherinteresses. Schon 1955 wurde für die Schau eine eigene Halle errichtet. Und bald erkannte man, dass Dokumentation eine nicht unwesentliche Rolle dabei spielte, das Bemühen um die gute Industrieform im Kontext einer großen Exportmesse zu verdeutlichen. 1956 erschien das erste schmale, schwarz-weiß gedruckte Heftchen, das die 246 Auszeichnungen in schlichter Weise abbildete: vom filigranen Trinkglas bis zur schweren Maschine. Auch die politische Prominenz fand sich ein: Bundespräsident Heuss und Wirtschaftsminister Erhard statteten der Sonderschau Besuche ab. 1959 wurde die Ausstellung programmatisch in "Die gute Industrieform" umbenannt.
Von der Sonderschau formgerechter Industrieerzeugnisse der Hannover Messe über viele Stationen zu einer der international bedeutendsten Designinstitutionen: Ohne das dauerhafte Interesse einer Messegesellschaft, die sich selbst auch als Pool stetiger Innovation und stetigen Wandels versteht, wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen. Die Tatsache, dass eine Institution wie iF auf einem der größten Messegelände der Welt angesiedelt ist, in unmittelbarer Nähe zum Puls der internationalen Wirtschaft, ist eine bis heute andauernde fruchtbare, singuläre Konstellation.

Bilder auf der linken Seite von oben nach unten:

Bild 1:
Deutsche Ausgabe von 'Never leave well enough alone' Raymond Loewy, 1953

Bild 2:
Wirtschaftsminister Ludwig Erhard beim Messebesuch

Bild 3 - 4:
Ausgezeichnete Produkte 1953/ 54